Mein kühlendes Geschenk

Raus aus dem Büro – rein in den See! Das ist seit ein paar Wochen schon wieder zur täglichen Routine geworden und ratzfatz in 20 Minuten umgesetzt. Der See – das ist für (fast) alle Kärntner völlig klar – ist natürlich der Wörthersee! Wer nicht auf Schwimmen mit einer Wassertemperatur unter 20 Grad steht, der hat jetzt die Gelegenheit dazu.

Herantasten, hineingleiten, eintauchen, untertauchen, abfließen lassen was einengt, dem See übergeben, wieder auftauchen und eine neue Perspektive einnehmen. Da fühlt sich das Leben gleich anders an. Die Geschenke des Lebens werden klar erkennbar. Eines meiner Geschenke ist, hier am See leben zu dürfen.

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich keine gebürtige Klagenfurterin bin und auch keine Kärntnerin. Ganz egal ob ich nach Hause ins wunderschöne Waldviertel, zu meinen Kindern nach Wien, oder mir fremde Kulturen irgendwo in der Welt ansehe – eines haben alle diese Ausflüge gemeinsam: die Freude, wenn ich zurückkehre in meine zweite Heimat, nach Klagenfurt an den Wörthersee.

Unumgänglich ist der Besuch am See. Besonders dann wird es mir auch wieder vollkommen bewusst: Das Geschenk, das der Wörthersee für uns Klagenfurter ist. Er kühlt unsere Gemüter am Ende eines heißen Sommertages, er macht uns schick und lockt so viele Promis an und auch solche die es gerne sein möchten.

Manches Mal gaukelt er uns auch vor, im Urlaub zu leben – vielleicht ist es auch das, was wir gerne glauben möchten. Er lädt uns ein, ihn als Spiegel zu betrachten, wenn er glatt und unbeweglich vor uns liegt, sich der Sonnenuntergang darin spiegelt und die Grenzen nicht mehr klar erkennbar sind. Dann spüre ich in mir das Bedürfnis aufsteigen, in den Sonnenuntergang zu schwimmen, in die Unendlichkeit, dort wo oben und unten Eins werden.

Und dann, wenn ich wieder draußen bin aus dem Büro, dann wird der rissige, ziemlich in Jahre gekommene Holzsteg an der Süduferseite zu meinem ganz persönlichen Paradies.

Über den Autor: In meiner Freizeit bewege ich mich gerne auf den unterschiedlichsten Wegen. Ich liebe die Seen und Berge und Menschen in Kärnten, kehre aber immer wieder gerne zu meinen Wurzeln und zu meiner Familie im Waldviertel zurück. Oder ich schaue mir ferne Länder wie Indien, Thailand oder Mexiko an.